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Paarl bei Kapstadt
Paarl
"Die Perle"
Wörtlich übersetzt bedeutet „Paarl“ Perle – Perle deshalb, weil die Berge um die Stadt bei einem bestimmten Tageslicht eine perlenähnliche Farbe annehmen. Paarl ist eine der ältesten Siedlungen des Hinterlandes von Kapstadt (s.u.). Es liegt an den Ufern des Berg River, 132 m über dem Meer. Das Tal erhält rund 700 mm Niederschlag pro Jahr, davon 80 % im Winter.
Die Gegend ist aber nicht nur vom Klima verwöhnt, sondern auch dank der Böden sehr fruchtbar. Seit der Besiedlung werden deshalb verschiedene Obst- und Gemüsesorten angebaut, Grundlage der hier angesiedelten Konservenfabriken. Die Granitberge der Umgebung dienten als Steinlieferanten für Grabsteine. Paarl ist ebenfalls bekannt für die Herstellung von „Eau de Cologne“. Heute zählt die Stadt ca. 70.000 Einwohner.
Paarl bei Kapstadt
© South Africa Tourism
Link-Tipps
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Stadtgeschichte
Die Stadtgeschichte begann mit dem Jahre 1720, als die erste Kirche gebaut wurde, man die mittlerweile sehr lange „Main Street“ anlegte und die charakteristischen Eichen pflanzte. Viele der historisch bedeutsamen Gebäude wurden zwischen 1710 und 1760 erstellt, so z.B. die Oude Pastorie (4) in der 303 Main Street im Jahre 1714. Diese ehemalige Pfarrei wurde 1937 von der Stadt Paarl aufgekauft, restauriert und in ein Museum (auch Paarl Museum genannt) umgewandelt, in dem man alte Möbel, Silber-, Kupfer- und Messinggegenstände sowie Glas bewundern kann. Das Museum ist geöffnet: Mo–Fr 9–13h u. 14–16h.
Der erste bedeutende Industriezweig in Paarl war übrigens der Wagenbau.
Die an der Main Street gelegene Strooidak-Kirche (Thatchroof Church, Strohdach-Kirche) wurde am 28. April 1805 eingeweiht. Der berühmteste Architekt der damaligen Zeit, Thibault, soll sie geplant haben. Normalerweise ist die Kirche geschlossen, doch oft arbeitet irgendjemand im Gelände um die Kirche, den man um eine Öffnung bitten kann.
Rundum lässt sich aber sagen, dass Paarl weder die Geschichte noch das juvenile Flair von Stellenbosch und nicht die Beschaulichkeit von Franschhoek aufweist. Auch die z.T. sehr schönen Weingüter und historischen Bauten in und um Paarl können nicht über den Eindruck einer sehr bodenständigen und wirtschaftlich orientierten Gemeinde hinwegtäuschen. Daher empfehlen wir, dass Sie sich unter den genannten Punkten die für Sie interessanten Sehenswürdigkeiten anschauen und dann weiterfahren.
Afrikaanse Taalmonument (Language Monument)
Eine große Rolle spielte Paarl bei der Etablierung der Afrikaans-Sprache. Ein führender Verfechter bei diesen Bemühungen war der aus Holland stammende Arnoldus Pannevis, der am Gymnasium der Stadt klassische Sprachen unterrichtete. Damit war Afrikaans zur Schriftsprache erhoben. Wortschatz und Grammatik dieser Sprache wurden aufgelistet, aber erst 1925 wurde Afrikaans neben Englisch als Amtssprache in Südafrika akzeptiert. Heute erstreckt sich die Literatur in Afrikaans auf alle Gebiete der Kultur und Wissenschaft.
An die Entstehung der Afrikaans-Sprache erinnert auch das Afrikaanse Taalmonument (Language Monument) oberhalb der Stadt am südlichen Ausläufer des Paarl Rock. Der Entwurf dieses Monuments stammt vom Architekten Jan van Wyk. Sein Plan wurde insbesondere durch die Gedanken der Dichter C. J. Langenhoven und N. P. van Wyk Louw beeinflusst.
Das Denkmal wurde am 10. Oktober 1975 eingeweiht. Es besteht aus zermalmtem Granit der Umgebung, der zu Beton verarbeitet wurde. Die drei sich links am Eingang befindenden Säulen, die miteinander verbunden sind, symbolisieren den Anteil Afrikas, Englands und Hollands am Entstehen der afrikaansen Sprache. In einem Bogen schwingt sich dann eine Verbindung zur 57 m hohen, hohlen Säule hinüber, welche das Afrikaans symbolisiert. Das weder aus Europa noch aus Afrika stammende Malaiisch wird durch die kleine Mauer in der Mitte des Treppenaufganges dargestellt. Neben der Sprachensäule ragt aus dem Wasser die Republiksäule (26 m hoch) empor, ein mehr politisch gedachtes Symbol, das durch seine Öffnung die Aufgeschlossenheit nach Afrika hin darstellen soll. Diese Säule steht stellvertretend für zwei Staaten Europas (Großbritannien und die Niederlande), die am Entstehen der Republik Südafrika beteiligt waren. Die drei gerundeten Formen im Innenkreis repräsentieren Wunder, Geheimnis und Tradition Afrikas.
Natürlich hat die Errichtung eines solchen Monuments auch internationale Proteste hervorgerufen. Dies geschah wohl weniger, weil an der Geschichte der Sprache etwas falsch ist bzw. extrem falsch dargestellt wurde – sieht man einmal ab von der deutlichen Heraushebung des europäischen Anteils. Der Grund lag eher darin, dass man damals den weißen Südafrikanern das Feingefühl für diplomatische Handlungsweise abgesprochen hatte. Das Land geriet wegen der Apartheidspolitik immer weiter ins Abseits und unterstrich seine Standpunkte dann auch noch mit einem solchen Bauwerk.
Beim Besuch des Monuments sollten Sie auch noch ein wenig auf den Wanderwegen am Berg herumlaufen. Die Rundsicht auf Tafelberg, Paarl, False Bay und das Weinland sowie viele bunte Blumen (auch Proteen) belohnen dafür.Das Taal-Monument ist geöffnet: tägl. 9–17h, im Sommer oft auch länger.


