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Namaqualand nördlich von Kapstadt

Sollten Sie noch 1–2 Urlaubstage „übrig“ haben, wäre das Namaqualand, besonders während der Frühlingsmonate, ein lohnendes Ziel. Im Rahmen dieses Buches können wir aber nur in Kürze auf dieses Reisegebiet eingehen.

Auf den ersten Blick wirkt das aride Namaqualand öde und menschenfeindlich. Wie an der Küste Namibias fallen auch hier nur wenig Niederschläge, die teilweise sogar unter 50 mm/Jahr liegen. Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts lebten hier nur Buschmänner und Khoi-Khoi (s. Kasten). Selbst die Trekburen (Ende des 18. Jh.) blieben nicht. Erst die Kupfererzfunde bei Springbok lockten die ersten sesshaften Weißen hierher. Mittlerweile wurden an der Küste auch Diamanten gefunden, und Farmer haben sich auf Schafzucht konzentriert.

Namaqualand nördlich von Kapstadt

Das blühende Namaquland im Frühling (Sept-Okt)

Seinen eigentlichen Reiz zeigt das Land aber vor allem im Süd-Frühling (ab Mitte August bis Mitte Oktober), wenn der Regen fällt. Dann erblühen auch hier einige Felder zu einem *Meer von Blumen. Eine „Explosion der Farben“ setzt ein, und wie ein Teppich ist der sonst so trostlose Boden dann bedeckt. Besonders verbreitet sind die Namaqua Daisies, auch Kapmargerite genannt. Gelb, ocker- oder orangefarben blühen diese „Gänseblümchen“ auf. Weiterhin gibt es noch die folgenden Gattungen: Cotula (Laugenblume), Arctotis (Bärenohr) und Ursinia. Diese Pflanzen überdauern die langen Trockenperioden im Boden, und der Nebel vom Atlantik, wo der kalte Benguela-Meeresstrom für kühle Temperaturen sorgt, ist Garantie für die nötige Mindestfeuchte. Man kann diese Halbwüste also zu den Kaltwüsten zählen, zumindest die küstennahen Abschnitte.

Andere interessante Seiten:

• die Langustenfischerei am Atlantik,
• das Diamantentauchen bei Port Nolloth, bei dem vom Meeresboden Schlamm abgesaugt wird, der dann an Land auf Diamanten abgesucht wird und
• der Richtersveld National Park, der an der Grenze zu Namibia liegt (230–300 Fahr-km von Springbok!) und durch die aride Bergwüstenlandschaft, seine Abgeschiedenheit sowie die vielseitige Sukkulentenwelt besticht.

Namaqualand: Namensherleitung und geographische Gliederung

Der Name kommt von
den Namaquas (Plural von Namas). Sie stammen von den Khoi-Khoi (die „Kleinen Namas“) ab, die hier als erste fest siedelten und die Weidetierhaltung einführten.

Das gesamte Gebiet des Namaqualands teilt sich in vier große Einzelgebiete auf, die alle einer anderen geologischen Formation angehören:
1. So erstreckt sich im Nordwesten zwischen der Grenze zu Namibia, Port Nolloth und der N7 das Richtersveld, eine Halbwüste.
2. Entlang der N7 von Springbok bis Bitterfontein mit Bergen bis zu 1.700 m und Niederschlägen von ca. 300 mm befindet sich die Namaqualand Klippkoppe.
3. Knersvlakte nennt man das Areal, das sich von Bitterfontein bis Vanrhynsdorp südlich der Klippkoppe anschließt und eher eine trostlose Halbwüste ist.
4. Das Sandveld schließlich erstreckt sich als 20–30 km breiten Streifen an der Küste entlang. Im Landesinneren ist der Sand dunkelrot, an der Küste weiß. Diese Färbungen resultieren aus unterschiedlichen Niederschlagsmengen, der rote Sand erhält mehr Niederschlag und oxidiert.

(Offiziell genannte) geographische Lage des Namaqualandes: Zwischen Oranje River im Norden, Garies im Süden, Atlantik im Westen und der Linie Pofadder-Loriefontein im Osten.

Der o.g. Nebel, der sich besonders in den Morgenstunden ausbreitet, wird erst über Tag von der Sonnenwärme absorbiert. Zum Landesinneren nimmt die Niederschlagsmenge zu und erreicht an den Berghängen zwischen Springbok und Bitterfontein teilweise mehr als 250 mm/Jahr. Trotzdem reicht auch dieses nicht für eine ganzjährige üppige Pflanzenwelt, und die Vegetation besteht hier hauptsächlich aus wasserspeichernden Sukkulenten, wie z.B. den urig-knorrigen Köcherbäumen (Kokerbaum = Aloe dichotoma).

In so einer trockenen Welt können viele Pflanzen nur gedeihen, indem ihre Samen die ungünstigen Perioden im Erdboden überdauern und dann zu wachsen beginnen, wenn genügend Niederschlag fällt, ob als Nebel oder als Regen. Wissenschaftliche Theorien gehen schließlich davon aus, dass eine chemische Substanz in diesem Niederschlag, nicht zu viel Wind und besondere Bodenbeschaffenheiten letztendlich erst für die „Initialzündung“ bei der Keimung der Samen verantwortlich sind. Da diese Faktoren zusammengenommen nur selten gemeinsam auftreten, gibt es halt nur an wenigen Stellen die Blütenmeere, und jedes Jahr findet man sie an anderen Stellen.